Carlo Brunner wurde am 22. April 1955 in Küsnacht ZH geboren. Sein Vater, Ernst Brunner, Klarinettist, Leiter eines Unterhaltungs- und Tanzorchesters sowie der «Knabenmusik unteres rechtes Zürichsee-Ufer», diente im als erstes Vorbild. Als solches weckte er in Carlo auch das Interesse am Klarinette- und Saxophonspielen.
Ganz am Anfang habe es aber schon einmal ein ernstes Wort gebraucht, um den Sohn zum nötigen Eifer anzuhalten, weis Ernst Brunner heute lachend zu berichten. Und als Carlo wirklich einmal daran dachte, wieder aufzuhören, hat ihm seine Mutter Alice das – zum Glück – verboten. Offenbar wirkte der väterliche Ermahnung dann doch, denn in der Folge stürzte sich der zehnjährige Carlo mit Fleiss und Begeisterung auf Klarinette und Saxophon.
Wie sein Vater verschrieb er sich ganz der traditionellen Volksmusik sowie der volkstümlichen Unterhaltungsmusik und versuchte, seinem grossen Vorbild Kaspar Muther nachzueifern. Seine Leidenschaft sei damals so gross gewesen, dass es ihm unmöglich gewesen sei, ein Weihnachtspäckli mit der vermuteten Ländler-Schallplatte bis Heiligabend unberührt zu lassen, erzählt Carlo heute. Unbemerkt habe er sich sie schon vorher anhören müssen. Heute wissen wir, wohin solche Leidenschaft führt.
Bereits im Alter von 13 Jahren trat Carlo mit einer eigenen Formation, den «Küsnachter Leugeli», an die Öffentlichkeit und bespielte auch schon die erste Schallplatte mit einigen Eigenkompositionen. Dann wechselte er in die Formation seines Vaters, die «Seebuebe»aus Küsnacht, in welcher er sich wegen seiner überdurchschnittlichen musikalischen Auffassungsgabe rasch durchzusetzen vermochte.
Mit 15 eine eigene Kapelle
Noch vor seinem Lehrantritt als kaufmännischer Angestellter bei Musik Hug in Zürich gründete er als 15jähriger mit der "Ländlerkapelle Carlo Brunner" seine eigene Formation, mit der er auch eine Schallplatte aufnahm.
Bereits mit 17 gelang ihm seine erste aussergewöhnliche Komposition - der «Waldvogel-Schottisch», der mittlerweile ein Klassiker im Repertoir vieler Ländler-formationen geworden ist. Um seine ohnehin aussergewöhnliche Spieltechnik zu vervollkommen, belegte Carlo sogar Kurse am Konservatorium. Nebenbei: Auch als Rekrut beim Militärspiel belegte ihn seine Klarinette statt eines Sturmgewehres.
Steiler Aufstieg
Vom zwanzigsten Lebensjahr an nahm seine Musikerlaufbahn eine immer steilere Aufwärtsentwicklung. Das zeigt sich auch in seiner Produktion «5mal Carlo Brunner», der ersten Playback-Schallplatte in der Geschichte der Ländlermusik. Das besondere war nämlich, dass Carlo alle Instrumente also Klarinette, Saxophon, Akkordeon, Bass und Klavier, selbst spielte. Mit dem Akkordeonisten Hanspeter Clavadetscher und Albert Vontobel am Klavier gelang er ihm in Folge, seinen Ruf in der Volksmusikkreisen zu festigen.
1975 rückte mit Martin Nauer ein Akkordeonist nach, der es ohne Grundschulung und Notenkenntnisse zu beachtlichen Meisterleistungen gebracht hatte und seither Carlos musikalischer Wegbegleiter geblieben ist. Am Klavier begleiteten zwischenzeitlich auch Alois Schilliger und Armin Bruhin. Mit Bert Schnüriger am Klavier seit 1982 und dem leider verstorbenen Franz Gisler am Bass fanden dann die Mitglieder der erfolgreichen «Ländlerkapelle Carlo Brunner» zusammen. Die Ausgereifte, präzise Spieltechnik in Verbindung mit der beschwingten Vortragsart bescherte der Formation denn auch immer grösseren Erfolg.
Seit dem Tod von Franz Gisler 1999 wurde die Kapelle vom jungen und äusserst begabten Bassisten Christoph Mächler begleitet. Im Januar 2001 übernahm dann Roman Lämmler den begehrten und anspruchsvollen Platz an der Bassgeige.
Volkstümlicher Schlager
Neben bewährter Ländlermusik entdeckte der Komponist Carlo Brunner in den achtziger Jahren ein weiteres Betätigungsfeld – den volkstümlichen Schlager. Umso mehr, als ihm in der Person seiner Schwester Maja eine der markantesten und besten Stimme in der Szene zur Seite stand. Und tatsächlich schafften die beiden 1987 in Dortmund das, wovon sie nicht einmal zu träumen gewagt hätten: den Sieg im «Grand Prix der Volksmusik». Der Titel «Das chunt eus spanisch vor» wurde in der Schweiz zu einem Hit. Mit «Losed Sie, Frau Küenzi» (Salvo) oder «So ein Tag» (Geschwister Biberstein) – um nur zwei Beispiele zu erwähnen – folgten weitere bekannte Kompositionen. Im Jahr 1999 holte der Erfolgreiche Komponist ein weiteres mal mit «Einmal so, einmal so» gesungen von Monique den internationalen Grand Prix-Sieg für die Schweiz.
Die Superländlerkapelle
Seinem Hang zur Improvisation sowie zu Swing und Jazz, der sich gelegentlich auch in seiner traditionellen Ländlermusik spüren lässt, kann Carlo seit der Gründung der Superländlerkapelle im Jahr 1987 noch vermehrt nachgeben. Und mit dieser fünfköpfigen Formation (zu Carlo, Martin, und Bert stiessen Helmut Gruber und Beat Ackermann), die nun vermehrt auch Showeinlagen zum Besten gaben, setzte er in der Schweizer Volksmusik weitere Akzente.
Bewahrer des Traditionellen – Suchender nach Neuem
Obwohl es ihm das grösste Anliegen ist, «dass die traditionelle Ländlermusik weiter lebt», versucht der Musiker und Komponist Carlo Brunner auch immer wieder neues zu erschliessen, neue Wege zu beschreiten. Erwähnenswert sind sicher seine spontanen Einfälle: etwa der, bekannte Schottisch-melodien als Walzer zu spielen, oder auch die Versuche, Elemente aus anderen Stilrichtungen in die Ländlermusik zu übernehmen und sie so zu erweitern. Dass er offen für neues ist, zeigt sich auch darin, dass er zum Jubiläumsjahr der Eidgenossenschaft das erste volkstümliche Musical, «Seldwyla» komponierte, das auf der Rigi zur Aufführung gelangte. Dass Ländlermusik von grosser Musikalität und Virituosität getragen sein kann, bewies die Ländlerkapelle Carlo Brunner auch anlässlich der verschiedenen gemeinsamen Konzerte mit dem «König der Klezmer-Musik», «Giora Feidmann», die auf sehr grosse Beachtung stiess. Ein Traum zum 40. Geburtstag erfüllte sich Carlo Brunner 1995 mit der CD «Gefühle», als Klarinettensolist wurde er – auf die Produktion mit Eigenkompositionen und Welthits – von einem 50-Mann- Orchester aus Bratislava begleitet. Ein grosses und einmaliges Projekt realisierte er 1999 in Interlaken, Carlo Brunner liess ein Symphonie- Orchester bekannte Ländlerkompositionen im Johann Strauss-Stil vortragen.
Jubiläumsjahr 2000
Im Jahr 2000 konnte Carlo Brunner gleich zwei Jubiläen feiern. Nämlich
«30 Jahre Kapelle Carlo Brunner» sowie «25 Jahre Carlo Brunner mit Martin Nauer». Diese zwei Jubiläen werden mit einer Tournee gefeiert. Carlo und Martin wünschten sich für die Jubiläumskonzerte je einen weiteren Gastmusiker auf der Bühne. Darum waren der junge Klarinettist Philipp Mettler und auch der virtuose Akkordeonist Willi Valotti bei einem Teil des Konzertes mit von der Partie. Präsentiert wurden die Konzertabende vom bekannten Ländlermusikanten Amadeo Kronig.
«Das langjährige Zusammenspiel der gleichen Musiker ist das Geheimnis unseres Erfolgs. Man lernt sich nach so vielen Jahren gemeinsam Musizieren sehr gut kennen und schätzen - sowohl menschlich als auch musikalisch. Dies gibt unserer Kapelle heute ihren speziellen Klang».






